Wenn Neustift feiert, wird Tradition großgeschrieben - Fotocredit: Ilona Frey / Pixabay
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Der Neustifter Kirtag zieht Politiker aus allen Lagern an

von Thomas Khom

Ende August findet traditionell der Neustifter Kirtag statt. Dann zeigt sich die Großstadt Wien erneut von ihrer geselligen Seite. Schließlich gehört der Neustifter Kirtag zu jenen Veranstaltungen, bei denen das Stadtleben für kurze Zeit ruht und ländliche Traditionen Einzug halten.

Das Volksfest im 19. Bezirk lockt allerdings nicht nur Besucher aus der ganzen Stadt, sondern auch die Politik zum Verweilen ein. Diese nutzt den Kirtag, um sich unter das Volk zu mischen und die Stimmung aufzufangen. Diese dürfte jedoch angesichts von Wirtschaftskrise und Inflation eher getrübt sein.

Das musste einige Tage später auch Außenministerin Beate Meinl-Reisinger beim Altausseer Kirtag am eigenen Leib erfahren. Sie wurde während ihrer Rede von Teilen des Publikums ausgebuht. Über die Hintergründe der Buhrufe gab es anschließend unterschiedliche Darstellungen.

Verregnete Eröffnung

So weit kam es in diesem Jahr in Neustift allerdings nicht, obwohl vor allem das Wetter reichlich Anlass dazu bot. Nach einer wochenlangen Hitzewelle mit Temperaturen von über 40 Grad regnete es ausgerechnet zur Eröffnung des traditionellen Kirtags. Dieser Wetterumschwung kam allerdings zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt für die Veranstalter. Und so waren diesmal neben Lederhosen und Dirndln auch die Regenschirme gefragt.

Die Besucher ließen sich die Stimmung jedoch nicht vermiesen und genossen die besondere Mischung aus Heurigen, Musik, Tracht und ausgelassener Stimmung. Damit verwandelte sich das sonst so ruhige Neustift am Walde für einige Tage in eine dicht bevölkerte Festzone.

Ein Ausflug aufs Land, mitten in der Stadt

Das verbindende Element beim Neustifter Kirtag ist allerdings nicht nur das gemeinsame Feiern, sondern vor allem der Dresscode. Das zeigt sich schon bei der Anreise. Dann trifft man in Wien so viele Menschen in Tracht wie selten zuvor. Diese gemeinsame Uniform dominiert zwischen Festzelten und Weinständen.

So verwandelt sich die Großstadt für kurze Zeit in einen Ort, an dem auch ländliche Tradition gepflegt wird. Genau das macht auch den Reiz des Neustifter Kirtags aus. Der Besuch der Veranstaltung gleicht einem Ausflug aufs Land. Als gesellschaftlicher Treffpunkt von Menschen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten und Milieus hat sich der Neustifter Kirtag zum Anziehungspunkt für Politiker aus verschiedenen Lagern entwickelt.

War der Kirtag in der Vergangenheit vor allem ein Treffpunkt von Vertretern der ÖVP, so hat die FPÖ zuletzt stark aufgeholt. Das zeigte sich auch in diesem Jahr an der politischen Präsenz. Das kann sich die SPÖ-regierte Stadt Wien natürlich nicht „gefallen lassen“ und war mit einem eigenen Stand präsent. Selbst die NEOS ließen sich das Fest nicht entgehen und besetzten ebenfalls einen eigenen Stand. Sie alle nutzen die Gelegenheit, um mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen.

Der Kirtag findet jährlich im August statt. Die Bräuche rund um die Hauerkrone und den Hiatabaum wurden 2020 in das österreichische Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Erfolgreich, trotz zahlreicher Alternativen

Der Erfolg des Neustifter Kirtags spricht angesichts unzähliger Alternativen für sich. Die Unterhaltungsindustrie ist mittlerweile so groß wie nie zuvor und bietet unzählige Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben. So können beispielsweise Spieler mit Hilfe von Casino Guru die für sie ideal passenden Anbieter für Casinospiele finden, ohne lange im Netz recherchieren zu müssen.

Das Internet hat sich grundsätzlich zu einem großen Konkurrenten für Veranstaltungen entwickelt, schließlich holt es die Unterhaltung ins eigene Heim. Wer jedoch gerne unter Leute geht und alte Traditionen pflegt, ist in Neustift gut aufgehoben.

Grenzen verschwimmen

Dort verschwimmen jene Grenzen, die zumeist den Alltag prägen. Wähler und Politiker feiern gemeinsam. Die angespannte Atmosphäre zwischen „verfeindeten politischen Lagern“ scheint sich für kurze Zeit in Luft aufzulösen. Immerhin geht es beim Neustifter Kirtag weniger um das Betonen von Unterschieden als um Gemeinsamkeiten. Dabei genießen die Besucher vorwiegend die Früchte der Wiener Weingärten und freuen sich über die unbeschwerte Zeit.

Damit beweist der Neustifter Kirtag eine Besonderheit der heimischen Politik. Abseits von Wahlkämpfen und Debatten im Parlament begegnen sich die Hauptdarsteller der politischen Szene gerne auf Augenhöhe. Schließlich bewegen sie sich in denselben gesellschaftlichen Kreisen.

Diese Bandbreite findet sich auch im Angebot für die Besucher. Zwischen Wein und Lebkuchenherzen findet sich etwa auch die Möglichkeit für Airbrush-Tattoos. Dort gibt es eine reichhaltige Auswahl an Motiven, die vom österreichischen Bundesadler bis zum Porträt von Che Guevara reicht. Das ist sinnbildlich für einen Kirtag, bei dem die Unterschiede zwar sichtbar, aber nicht unbedingt bestimmend sind.

Zahlreiche politische Prominenz anwesend

Eröffnet wurde der Neustifter Kirtag 2026 unter Anwesenheit von Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP), Klubobmann Philip Kucher (SPÖ), den Wiener Vizebürgermeisterinnen Barbara Novak (SPÖ) und Bettina Emmerling (NEOS) sowie Wiens FPÖ-Chef Dominik Nepp. Auch weitere Vertreter der Wiener Politik waren bei der Eröffnung anwesend.

Dabei wurde die Hauerkrone im Rahmen einer Prozession durch die Festzone getragen. Das erwies sich angesichts des Wetters als besondere Herausforderung, schließlich wollte der Regen nicht nachlassen. Die Krone ist mit goldenen und silbernen Walnüssen, Blumen und Bändern geschmückt.

Immaterielles Kulturerbe

Die Geschichte der Hauerkrone reicht bis in die Zeit Maria Theresias zurück. Nach einem verheerenden Ernteausfall im Jahr 1752 erließ die Kaiserin den Neustifter Weinhauern die Steuern. Die Hauerkrone war zuvor als Dankesgeschenk überreicht worden. Ein Jahr später gab Maria Theresia die Krone zurück und verband dies mit dem Auftrag, alljährlich einen Kirtag abzuhalten.

Die Österreichische UNESCO-Kommission führt die „Hauerkrone und Hiatabaum in Neustift am Walde“ seit 2020 als immaterielles Kulturerbe. Im Mittelpunkt des viertägigen Festes stehen bis heute der Umzug mit der Hauerkrone und das Aufstellen des Hiatabaums.

Angesichts des Wetters war es diesmal kein Wunder, dass sich das Geschehen anschließend in die Innenräume der Heurigen verlagerte. Die Stimmung blieb jedoch weiterhin ausgelassen. Schließlich liegt genau darin das Geheimnis des Neustifter Kirtags: Hier treffen Menschen aus allen Bereichen des Lebens aufeinander. Sie lassen ihre Sorgen und Unterschiede für einige Stunden hinter sich und feiern gemeinsam den Ausklang des Sommers.

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