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Neujahrskonzert 2026 der Wiener Philharmoniker

von Christine Khom

Wenn am 1. Jänner 2026 der Goldenen Saal des Wiener Musikvereins wieder in einem Blumenmeer erstrahlt und mehr als 50 Millionen Menschen live via Bildschirm in Wien dabei sind, dann hat das  berühmteste Orchester der Welt seinen großen Auftrittdie Wiener Philharmoniker.

Seit 1939 begleiten die Wiener Philharmoniker jedes Jahr aufs neue, erst die Wiener und später die ganze Welt, vom Goldenen Saal des Wiener Musikvereins, ins neue Jahr.

Yannick Nézet-Séguin – der Maestro ohne Taktstock

Yannick Nézet-Séguin © Hans van der Woerd

Instinktiv, warmherzig, menschlich… Der kanadische Dirigent und Pianist leitet drei große Orchester auf beiden Seiten des Atlantiks mit Fingerspitzengefühl und Präzision.
Man muss ihn in Aktion sehen, ohne Taktstock, Körper und Blick in völliger Symbiose mit der Musik. Es scheint, als würde er diese Musik formen, während sie entsteht. Er gilt als  Herzlich, offen und entspannt – weit entfernt von der Kühle, die man einigen seiner Vorgänger wie Toscanini, Karajan oder Boulez nachsagt. Die französische Flötistin Juliette Hurel,die seit 1998 in seinem Orchester in Rotterdam spielt, sagt über Ihn: „Wenn er kommt, ist er wie ein Sonnenstrahl. Er kennt jeden. Er ist nicht geizig mit Umarmungen. Und wenn er dirigiert, sind seine Gesten klar wie Kristall.” Diese Aussagen bestätigen den Eindruck, den man von ihm auf der Bühne gewinnt. „Er kommuniziert viel mit seinem Gesicht“, betont sie. „Mit einem Lächeln kann er einen Musiker zu einer besseren Leistung anspornen. Das ist viel effektiver, als ihn mit einem strengen Blick zu töten, wie es andere Dirigenten tun würden!

Internationales Aufsehen erregte Nézet-Séguins Debüt bei den Salzburger Festspielen 2008 mit Roméo et Juliette von Charles Gounod. Seither dirigiert er regelmäßig die wichtigsten Orchester, „von den Berliner Philharmonikern bis zum Chicago Symphony Orchestra“ und gastiert an den bedeutendsten Konzerthäusern, „von der Mailänder Scala bis zur Londoner Covent Garden Opera“. Mehr Informationen ↗

Josephine Weinlich – Pionierin weiblicher Orchestertätigkeit im 19. Jahrhundert

Josephine Weinlich

Josephine Weinlich (1848–1887) zählt zu den Pionieren der Wiener Musikgeschichte. Als Pianistin, Violinistin, Dirigentin und Komponistin gründete sie Ende der 1860er Jahre in Wien eines der ersten Damenorchester Europas und tourte damit durch den Kontinent bis in die USA. Ihre Stücke – Polkas, Walzer und Salonmusik – schrieb sie dem lebendigen Klang dieser Ensembles auf den Leib; später leitete sie auch Orchester in Lissabon, unter anderem am Teatro de São Carlos.

Beim Neujahrskonzert 2026 rückt Weinlich nun ins Rampenlicht: Ihre „Sirenen-Lieder. Polka mazur, op. 13“ erklingt in einer frischen Orchesterfassung. Das ist mehr als ein Repertoirefund – Weinlich ist damit nach Constanze Geiger  und neben Florece Price erst die zweite Komponistin, deren Werk im Rahmen des Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker aufgeführt wird. Ein überfälliger Moment der Wiederentdeckung – und ein klangvoller Auftakt ins neue Jahr.


Florence Price – Die erste afroamerikanische Komponistin, die nationale Bekanntheit erlangte.

Florence Price © George Nelidoff

Florence Price (1887–1953) zählt zu den prägenden Stimmen der amerikanischen Klassik. 1933 schrieb sie Geschichte: Ihre 1. Symphonie in e-Moll wurde vom Chicago Symphony Orchestra uraufgeführt – das erste Mal, dass ein großes US-Orchester ein Werk einer afroamerikanischen Komponistin spielte. Ausgebildet in Boston und im Süden der USA, fand sie in Chicago ihren künstlerischen Durchbruch.

Ihre Musik verbindet Spirituals, Blues- und Gospel-Impulse mit spätromantischer Orchestrierung: gesangliche Themen, warme Holzbläser, federnde Tanzrhythmen, klare Dramaturgie. Neben Symphonien entstanden Klavier- und Violinkonzerte, Kammermusik und Lieder – lange vernachlässigt, heute international wieder fester im Repertoire.
Sie schrieb vier Symphonien und unzählige Orchesterwerke, Klavier- und Violinkonzerte, Choräle, Klavier- und Orgelstücke – insgesamt 300 Kompositionen.

Das Programm des Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker 2026:

  1. Johann Strauß: Ouvertüre zur Operette „Indigo und die vierzig Räuber
  2. Carl Michael Ziehrer: „Donausagen. Walzer, op. 446“ (Erstaufführung bei einem Neujahrskonzert)
  3. Joseph Lanner: „Malapou-Galoppe. op. 148 Nr. 1“ (Erstaufführung bei einem Neujahrskonzert)
  4. Eduard Strauß: „Brausteufelchen. Polka schnell, op. 154“ (Erstaufführung bei einem Neujahrskonzert)
  5. Johann Strauß: „Fledermaus-Quadrille. op. 363
  6. Johann Strauß Vater: Der Karneval in Paris. Galopp, op. 100
  7. Franz von Suppè: „Ouvertüre zur Operette Die schöne Galathée
  8. Josephine Weinlich: „Sirenen Lieder. Polka mazur, op. 13“ (Erstaufführung bei einem Neujahrskonzert)
  9.  Josef Strauß: „Frauenwürde. Walzer, op. 277
  10. Johann Strauß: „Diplomaten-Polka. Polka française, op. 448
  11. Florence Price: „Rainbow Waltz“ (Erstaufführung bei einem Neujahrskonzert)
  12. Hans Christian Lumbye: „Københavns Jernbane-Damp-Galop (Kopenhagener Eisenbahn Dampf Galopp)“
  13. Johann Strauß: „Rosen aus dem Süden. Walzer, op. 388
  14. Johann Strauß: „Egyptischer Marsch. op. 335
  15. Josef Strauß: „Friedenspalmen. Walzer, op. 207

Zugaben:

  • noch nicht bekannt

ORF – Neujahrskonzertballett 2026

Alaia Rogers-Maman , Victor Cagnin, Gaia Fredianelli, Calogero Failla, Natalya Butchko, Géraud Wielick, Timoor Afshar, Ketevan Papava ©ORF/Thomas Jantzen

Was die Musik der Wiener Philharmoniker für die Ohren, sind die bezaubernden Balletteinlagen des Wiener Staatsballett für die Augen. Unter der Leitung des Starchoreograf John Neumeier und des  Kostümdesigners Albert Kriemler tanzen die Ensemblemitglieder des Wiener Staatsballetts zu Strauss  „Diplomatenpolka“ und dem Walzer „Rosen aus dem Süden“ .
Als Drehorte dienten für den Walzer das MAK – Museum für Angewandte Kunst in Wien, für die Polka Schauplätze der Wiener Hofburg, unter anderem die dort befindliche Botschafterstiege.
Der ORF engagierte erneut den renommierten US-amerikanischen Choreografen sowie ehemaligen Tänzer John Neumeier sowie den Schweizer Designer Albert Kriemler für die aktuelle ORF-Ballettproduktion.


Übertragung Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker

Wann: 01.01.2026
Beginn: 11.15 Uhr
Wo: Übertragung live in ORF2, als Live Stream auf on.orf.at sowie auf Ö1 und in über 90 Länder weltweit
Programm, Infos: www.wienerphilharmoniker.at

Goldener Saal Musikverein Wien

Musikvereinsplatz 1, 1010 Wien

http://www.musikverein.at

Letztes Update: am 13.11.2025 um 9:40 Uhr

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1 Kommentar

Anonym 16. November 2025 - 10:05

Dieses Programm ist ja mal eine Mischung aus Wow! und Na klar!. Einmal entdeckt man die Weinlich-Polka – da wird man: Na, da haben wir was! – und dann liest man über Nézet-Séguin wie wie ein Sonnenstrahl, und man denkt: Ach ja, und der hat die Berliner Philharmoniker und das Chicago Symphony Orchestra gerettet, oder was?. Florence Price? Beeindruckend, dass man erst jetzt von ihr hört, und man denkt bei Rainbow Waltz vielleicht an… well, Regenböen im Orchesterklang. Und dann die Ballette – man seufzt: Die tanzen ja wunderschön zur Diplomatenpolka und zum Walzer Rosen aus dem Süden!, während man am Bildschirm wünscht, man wäre im Goldenen Saal und könnte die Botschafterstiege ausprobieren. Ein musikalischer und visuelles Feuerwerk – und man fragt sich, ob man die ganze Zeit auch mit Umarmungen kommunizieren darf, wie der eine Chefdirigent.

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