Glücksspiel gehört in Österreich zu einer wichtigen staatlichen Einnahmequelle, die Steuern fließen direkt der Staatskasse zu. Touristisch spielt vor allem das landbasierte Angebot eine große Rolle, bei den inländischen Spielern hat der Online-Markt in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Für 2025 gehen Prognosen von einem Gesamtumsatz in Höhe von 3,31 Milliarden US-Dollar aus, bis 2030 rechnet man mit einem weiteren Anstieg.
Insgesamt gibt es zwölf große, landbasierte Casinos in Österreich, eines davon liegt im Standort Wien. Aus Konzessionsgründen gibt es keine tagesaktuellen und separat veröffentlichten Angaben zur Spielfrequenz in Wien, die Casinos Austria AG berichtet jedoch jährlich in ihrem Geschäftsbericht von den Gesamtumsätzen. Im Stadtrat werden dann auch lokale Detaildaten ausgewertet, allerdings nicht für die Öffentlichkeit publiziert.
Glücksspielumsätze in Österreich konzentrieren sich auf Wachstumssegmente
In den letzten zehn Jahren hat sich der Markt in Österreich stark verändert. Das landbasierte Spiel in Casinos zeigt sich unvermindert stark und nach Schließungen durch die Coronapandemie weiterhin im Aufwind. Auch der Lotteriesektor ist weiterhin stark vertreten, hier überwiegt (noch) die stationäre Teilnahme, wobei auch Online-Lotterieangebote mittlerweile immer mehr genutzt werden. Einer der größten Wachstumsmärkte ist allerdings der Onlinemarkt, wobei sich Österreich an dieser Stelle immer wieder selbst ausbremst.
Für 2024 geht man in kommenden Jahresberichten von etwa 632 Millionen Euro allein durch den Onlinemarkt aus. Gemessen an der Größe des Landes ist der Anteil an Spielern damit fast ebenso stark wie in Deutschland. Und noch eine Gemeinsamkeit gibt es zwischen den beiden Ländern. In Österreich konzentriert sich (trotz Monopol) ein großer Teil des Spiels auf Marktanbieter mit EU-Lizenz. Analog hierzu verzeichnet Deutschland immense Anfragen zu Glücksspielangeboten ohne LUGAS, denn die Regulierungsmaßnahmen gelten im Land für viele Spieler als zu streng.
Österreichs staatliche Regulierung mit Monopollösung steht seit Jahren in der Kritik, 2025 oder später rechnen Experten allerdings mit einer Modernisierung. Die Lizenzneuvergabe und die geplanten Steuererhöhungen könnten dazu führen, dass das Monopol einem liberalisierten und offenen Markt weichen muss. Die Dynamik wird sich damit weiterhin erheblich verändern, die offiziellen Zahlen zur Glücksspielteilnahme könnten steigen. Zwar wird es auch dann keine separaten Zahlen für Wien geben, aber man darf davon ausgehen, dass in Wien nicht weniger gespielt wird als im Rest des Landes.
Blick in die Vergangenheit auf die Umsätze der letzten Jahre
Repräsentative Zahlen lassen sich immer nur rückwirkend erfassen, aktuelle Werte werden geschätzt. Im Jahr 2020 konnte die Casinos Austria AG laut Statista etwa eine Million Gäste verzeichnen, hier ist zu bedenken, dass die Coronapandemie zum damaligen Zeitpunkt gerade erst Fahrt aufnahm. Der Bruttospielertrag betrug rund 162,5 Millionen Euro, durch die Pandemie musste das Unternehmen Umsatzeinbußen hinnehmen.
Mit der Casinos Austria International konnten weitere 111,3 Millionen Euro umgesetzt werden, mehr als die Hälfte davon (60 Millionen) stammten von Spielern aus Deutschland.
Stärker zeigte sich 2020 die Umsatzkraft der Österreichischen Lotterien, die 833,9 Millionen Euro einnehmen konnten. Diese Zahlen spiegeln die tatsächliche Nachfrage wider, denn Lotto durften die Menschen auch während der Corona-Lockdowns spielen. Am wichtigsten ist das Spiel „6 aus 49“, es machte mit 316,7 Millionen Euro den Löwenanteil aus.
Auch mit Blick auf den Arbeitsmarkt und die Wirtschaft ist die Casinos Austria AG eine wichtige Einrichtung in Österreich. 2021 waren hier rund 1.328 Vollzeit-Mitarbeiter beschäftigt, Tendenz steigend. Damit sorgt das Monopolunternehmen nicht nur für steigende Tourismuszahlen, sondern auch für Arbeitsplätze.
Von 2020 bis 2025 – der Onlineboom nimmt Fahrt auf
Die Coronapandemie könnte aus Sicht der Casinos Austria AG ein Brandbeschleuniger in Sachen Konkurrenz gewesen sein. Während der Lockdowns mussten sich Spieler neu orientieren und Alternativen zum stationären Casino oder zu den von Novomatic betriebenen Spielhallen finden. Experten zufolge wird der Markt bis 2029 weiterhin wachsen, ein Plus von mehr als 4,2 Prozent pro Jahr wird prognostiziert. Diese Zahlen sind in Anbetracht des vorhandenen Monopols immens und machen klar, dass die Spieler sich ihren Weg in den digitalen Markt suchen, trotz Verbote. Wirtschaftlich gesehen könnte es für Österreichs Staatskasse ein echter Zugewinn sein, wenn das Monopol fällt.
Die Casinos Austria AG sollte damit weniger Probleme haben als mit der geplanten Steuererhöhung von 40 auf 45 Prozent. Dies könnte dazu führen, dass Standorte schließen müssen und die Einnahmen sinken. Ein offener Online-Markt hingegen könnte das Geschäft beleben und die Umsätze sogar steigern. Bislang ist die Casinos Austria AG mit exakt einer Onlineplattform aktiv, die von Spielern zwar genutzt, aber als nicht ausreichend empfunden wird. Attraktiver wirken die Anbieter aus dem EU-Ausland, denn sie haben Lizenzen, gelten als seriös und bieten oft bessere Auszahlungsquoten und spielerische Abwechslung.
Der Graumarkt wird durch das Land ohnehin inoffiziell toleriert, denn ein großer Teil der EU-Anbieter zahlt sogar ordnungsgemäß Steuern. Mit der Liberalisierung könnte man dazu kommen, dass sämtliche Anbieter Steuern für ihre Umsätze zahlen und die Staatskasse doppelt profitiert.
Fast die Hälfte aller Österreicher spielt
Mit einem Anteil von 41 Prozent ist die Bevölkerung Österreichs besonders spielfreudig. Online-Glücksspiele und Lotterien bringen besonders hohe Zahlen, allerdings gehören auch Sportwetten zu den wachsenden Segmenten. Hier ist jedoch zu beachten, dass Wetten in Österreich nicht offiziell als Glücksspiel gelten und die Zahlen damit bei den reinen Glücksspielerträgen gar nicht berücksichtigt werden. Wenn es zum Reform des Marktes kommt, könnte sich auch das ändern. Schon lange fordern Suchtexperten, dass auch der Wettmarkt unter die Rubrik Glücksspiel fällt und verpflichtend auf Spielerschutzmaßnahmen setzt.
Die schlechtesten Prognosen gibt es für Spielautomaten in lokalen Spielhallen und Gastronomien. Sie werden dem Onlinedruck nicht standhalten können, denn zu viele Menschen möchten mobil, flexibel und digital spielen. Der Gelegenheitszocker beim Bier im Beisl wird nicht ausreichen, um den Weiterbetrieb wirtschaftlich zu rechtfertigen.
Es ist auch nicht klar, ob mit einer Aufweichung des Monopols und neuen Reformen weitere Verschärfungen der bisherigen Schutzmaßnahmen in Kraft treten könnten. In Deutschland mussten zahlreiche landbasierte Spielotheken schließen, als neue Abstandsregelungen festgelegt wurden. Träfe das auch Österreich, werden die zahlen in der landbasierten Automatenwirtschaft noch weiter zurückgehen.
