Wien ist weltberühmt für Ringstraße, Oper und Kaffeehauskultur. Doch unter Asphalt und Kopfsteinpflaster rauscht eine andere Geschichte – die Geschichte der Wienerwaldbäche. Bevor die Donau zwischen 1870 und 1875 reguliert wurde, zogen sich Mühlbäche wie silberne Fäden durchs Stadtbild. Sie trieben Getreide- und Schleifmühlen an, versorgten Gerbereien und lieferten Löschwasser. Sie waren die heimlichen Lebensadern der Stadt.
Heute versucht man diese verborgene Welt wieder hervorzuheben und erlebbar zu machen. Begleiten Sie uns auf eine Reise entlang der historischen Mühlbäche und auf dem Projekt in Ottakring – dem geplanten „SchaniBach“. Wenn Sie lieber bequem von zu Hause aus eine kurze Reise unternehmen möchten, lassen Sie sich mit nur einem Klick durch einen Katalog Ihrer Lieblings-Onlinetischspiele von 22Bet teleportieren!
Woher kam das ganze Wasser?
Das Wasser für diese Bäche kam hauptsächlich aus dem Wienerwald. Flüsse wie die Wien oder die Als entsprangen dort und teilten sich auf ihrem Weg in die Stadt in viele kleine Arme auf. Manche dieser Arme waren natürlich, andere wurden von Menschenhand geschaffen, um das Wasser gezielt dorthin zu leiten, wo man es brauchte. Die cleveren Wiener erkannten schnell die Kraft des Wassers. Sie stauten die Bäche auf und leiteten das Wasser auf Wasserräder. Diese Räder waren die Motoren des mittelalterlichen Wiens.
Was trieben die Mühlbäche an?
Die Antwort steckt schon im Namen: Mühlbäche trieben Mühlen an, aber nicht nur eine! Es gab Getreidemühlen zum Mahlen von Mehl für das tägliche Brot. Es gab Schleifmühlen, in denen Messerschmiede und andere Handwerker ihre Werkzeuge schärften. Und ganz wichtig: Es gab Gerbereien, die das Wasser für die Lederherstellung benötigten. Ohne die Mühlbäche hätte es kein frisches Brot, keine scharfen Klingen und keine stabile Kleidung gegeben. Die Bäche lieferten auch das notwendige Löschwasser für die immer wieder ausbrechenden Stadtbrände und dienten natürlich als Abwasserkanal. Sie waren die Drehscheibe des Handwerks und der Industrie ihrer Zeit.
Vom Industrie-Riesen zum stillen Verbündeten
Mit der Zeit veränderte sich Wien. Die Dampfmaschine wurde erfunden und war stärker und zuverlässiger als ein Wasserrad. Die Stadt wuchs rasant, und die engen Gassen wichen großen Boulevards. Die wilden Bäche wurden immer mehr zum Problem. Sie traten häufig über die Ufer und verursachten Überschwemmungen. Sie waren zur offenen Kloake verkommen und stellten eine Gefahr für die Gesundheit dar, vor allem durch Seuchen wie die Cholera.
Vom Wildbach zum Untergrundfluss
Also traf die Stadt eine folgenschwere Entscheidung: Die Bäche sollten verschwinden. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden nahezu alle Wiener Mühl- und Bachläufe kanalisiert. Das heißt, man bettete sie in gemauerte Kanäle ein und deckte sie mit Steinplatten ab. Anschließend wurden Straßen und Plätze darüber gebaut. Die Lebensadern wurden begraben und gerieten in Vergessenheit. Aus den rauschenden Bächen wurden stille, unterirdische Flüsse, die unsichtbar ihren Dienst im Kanalsystem verrichteten.
Warum das Thema zurückkommt
Doch ihre Geschichte war nicht zu Ende. In den letzten Jahren begannen Historiker und Stadtplaner, sich wieder für diese versteckten Welt zu interessieren. Man erkannte den ökologischen und historischen Wert dieser Wasserläufe. An einigen Stellen beschloss man, die Bäche wieder ans Tageslicht zu holen und erlebbar zu machen.
Hitzeinseln, Starkregen und der Wunsch nach mehr Grün holen das Wasser wieder auf die Agenda. Genau hier setzt das Forschungsprojekt PROBach an und testet, wie wir in Zeiten von Hitzesommern kühle, blaue Lebensadern zurück in die Stadt holen können.
Die Teststrecke in Ottakring – ein „SchaniBach“
Zwischen Jugendzentrum, Alt-Ottakringer Kirche und Heurigen soll ein 30–40 m langer Mini-Bach statt Parkplatz plätschern. Asphalt raus, Sedimentrinne rein, begleitet von Schatten spendenden Bäumen – so das Konzept. Noch ist es ein Labor, kein Spazierweg: Hier messen Sensoren Durchfluss, Temperatur und Verdunstung, während das Team beobachtet, wie Passanten den neuen Freiraum annehmen.
Forschung zum Anfassen – Pop-up-Labs & Klima Biennale
Im Frühjahr 2024 präsentierte PROBach auf der Klima Biennale Wien ein mobiles „Bach-Labor“: drei temporäre Wasserläufe, darunter ein 7,8 m langes Testbett mit 1 l/s Umlauf. HOBO-Sensoren zeichneten Luft- und Wassertemperatur auf, shading-Netze simulierten Baumkronen. Ergebnis: Beschattung senkte die Wassertemperatur deutlich – ein klarer Hinweis darauf, wie wichtig Vegetation für die Kühlleistung ist.
Wie geht es weiter?
- Sommer 2025: Abschlussbericht & Handlungsempfehlungen an die Stadt Wien.
- Ab 2026: Pilot-Abschnitte am Alsbach in Hernals stehen als Nächstes auf der Wunschliste.
- Langfristig: Integration in das Wiener Klimateam und das Regenwassermanagement von MA 45.
Fazit
Noch plätschert der Ottakringerbach vor allem als Vision. Doch PROBach zeigt: Ein paar Dutzend Meter Wasser können das Stadtklima messbar verbessern – und das Lebensgefühl gleich mit. Wenn Test & Daten überzeugen, könnte Wiens verborgenes Bach-Netz bald wieder ans Tageslicht treten. Bis dahin gilt: Augen offen halten – das nächste urbane Abenteuer wartet vielleicht gleich ums Eck.

