Vom 15. Mai bis 21. Juni 2026 machen die Wiener Festwochen die Stadt wieder zur großen Bühne. Theater, Oper, Musik, Performance, Ausstellungen, Debatten und Partys treffen aufeinander – und 2026 ist ein ganz besonderes Jahr: Die Festwochen feiern ihr 75-jähriges Jubiläum. Unter dem Motto „Republic of Gods“ blickt das Festival zurück auf Ikonen, Skandale und prägende Kunstmomente, richtet den Blick aber gleichzeitig mitten in die Gegenwart.
Ein Festival zwischen Hochkultur und Reibung
Die Wiener Festwochen wurden 1951 gegründet – damals mit dem Ziel, nach den Kriegsjahren wieder Lebensfreude, Zuversicht und kulturelle Öffnung in die Stadt zu bringen. Heute zählen sie zu den wichtigsten Kulturfestivals Europas. Sie sind kein klassisches „Schönwetter-Festival“, sondern ein Ort, an dem Kunst auch unbequem sein darf. Genau das macht den Reiz aus: Hier begegnen sich große Namen, neue Stimmen, politische Fragen und überraschende Formate.
2026 steht das Jubiläum ganz im Zeichen der „Republic of Gods“. Die Festwochen spielen dabei mit religiösen Bildern, Mythen, Ritualen, Kunstverehrung und der Frage, woran unsere Gesellschaft heute eigentlich glaubt. Das klingt groß – und ist es auch. Aber es bleibt nicht abstrakt: Das Programm verteilt sich über die Stadt, von großen Bühnen bis zum Badeschiff, vom MuseumsQuartier bis zum Burgtheater, vom Konzerthaus bis zum MAK.
Der große Auftakt: Schönheit und Skandal am Heldenplatz
Einer der Fixpunkte ist die große Eröffnung am 22. Mai 2026 am Heldenplatz. Unter dem Titel „75 Jahre Schönheit und Skandal“ feiern die Wiener Festwochen ihr Jubiläum bei freiem Eintritt. Mit dabei sind unter anderem Patti Smith, Cari Cari, Schmusechor, NENDA, Witch Club Satan, das inn.wien Ensemble und die neu gegründete Festwochen-Band Gods Republic. Die Eröffnung verbindet Gospel, Punk, Klassik und Schlager – also genau jene Mischung, die gut zu einem Festival passt, das sich nie brav in eine Schublade legen ließ.
Auch an Barrierefreiheit wird gedacht: Die Eröffnung wird in österreichischer Gebärdensprache begleitet, vor Ort ist ein eigener Deaf Space vorgesehen. Zudem wird das Programm zeitversetzt im Fernsehen beziehungsweise im Stream gezeigt.
Die künstlerischen Highlights 2026
Das Programm zum Jubiläum ist gewohnt mutig und vielseitig. Hier sind die wichtigsten Produktionen, die ihr euch im Kalender markieren solltet:
Milo Rau „Das beste Stück aller Zeiten“ im MuseumsQuartier
Gleich zu Beginn steht eine Jubiläumsproduktion im Mittelpunkt: „Das beste Stück aller Zeiten“ von Festwochen-Intendant Milo Rau. Die Weltpremiere läuft ab 15. Mai in der Halle E im MuseumsQuartier. Auf der Bühne entsteht eine vielstimmige Revue über 75 Jahre Festwochen – mit Musik, Erinnerungen, prägenden Szenen und einem großen Ensemble. Mit dabei sind unter anderem Inge Maux und Samouil Stoyanov.
Das Stück ist kein nostalgisches Fotoalbum, sondern eher ein lebendiger Streifzug durch die Festwochen-Geschichte: gefeierte Momente, Konflikte, persönliche Erinnerungen und Wiener Theaterliebe treffen aufeinander. Wer verstehen will, warum die Festwochen seit Jahrzehnten so eng mit der kulturellen Identität dieser Stadt verbunden sind, findet hier einen guten Einstieg.
Robert Wilsons „Der Sturm“ im Burgtheater

Ein weiterer Höhepunkt ist „The Tempest / Der Sturm“ von Robert Wilson, zu sehen von 5. bis 7. Juni 2026 im Burgtheater. Wilsons Inszenierung von Shakespeares Klassiker arbeitet mit Licht, Klang, Bewegung und einer stark visuellen Bühnensprache. Besonders berührend: Wilson, der 2025 verstorben ist, war über Jahrzehnte immer wieder bei den Festwochen präsent. Diese Produktion kann daher auch als späte Begegnung mit einer großen Theaterfigur gelesen werden.
„Parsifal“ als spirituelle Neuinterpretation

Zum Abschluss des Festivals wartet mit Richard Wagners „Parsifal“ ein Opern-Schwergewicht. Die Inszenierung von Susanne Kennedy und Markus Selg, musikalisch geleitet von Yi-Chen Lin, ist in der Halle E im MuseumsQuartier angesetzt. Die Produktion versteht Wagners letztes Werk als Ritual zwischen religiösen Symbolen, archaischen Bildern, futuristischer Ästhetik und KI-generierten Welten.
Die Termine liegen am 15., 17., 19. und 22. Juni 2026. Damit reicht diese einzelne Produktion über das offiziell kommunizierte Festivalende am 21. Juni hinaus. Für Besucher ist das wichtig, denn der letzte „Parsifal“-Termin findet laut Festwochen-Programm am 22. Juni statt.
„Vampire’s Mountain“ im Volkstheater

Mit „Vampire’s Mountain“ bringt Philippe Quesne vom 31. Mai bis 3. Juni 2026 ein skurriles, bildstarkes Theaterstück ins Volkstheater Wien. Der Vampir-Mythos wird dabei nicht als Gruselgeschichte erzählt, sondern als Spiegel für Gegenwartsfragen: Wie gehen Mensch und Natur miteinander um? Wer beutet wen aus? Und warum tauchen Vampire in Krisenzeiten immer wieder auf?
Quesnes Theater ist bekannt für Fantasie, feinen Humor und eigensinnige Bilder. Gerade deshalb dürfte dieses Stück für alle spannend sein, die Theater mögen, das nicht nur erzählt, sondern eine eigene Welt öffnet.
Musik-Highlight: Chineke! Orchestra im Konzerthaus

Ein starkes musikalisches Zeichen setzt das Chineke! Orchestra am 10. Juni 2026 im Wiener Konzerthaus. Das Orchester gilt als erstes professionelles Symphonieorchester Europas, das großteils aus People of Color und Angehörigen ethnischer Minderheiten besteht. Auf dem Programm stehen Werke von Carlos Simon, Samuel Coleridge-Taylor und Florence B. Price.
Gerade Florence B. Price ist hier ein wichtiger Name: Ihre Symphony No. 1 in E Minor war das erste Werk einer afroamerikanischen Komponistin, das von einem großen Symphonieorchester aufgeführt wurde. Damit passt der Abend gut zum Festivaljahr, das nicht nur zurückblickt, sondern auch danach fragt, welche Stimmen in der Kunstgeschichte lange zu wenig gehört wurden.
Festwochen am Badeschiff: Kunst bei freiem Eintritt
Ein besonders niederschwelliger Teil des Programms ist das Haus der Republik am Badeschiff. Dort gibt es während des Festivalzeitraums von Mittwoch bis Sonntag Programm – von Installationen und Performances über Workshops bis zu Partys und Debatten. Viele Angebote sind bei freiem Eintritt zugänglich.
Spannend ist dabei die Mischung: Club der Republik, Kino der Republik, Workshops für Kinder und Jugendliche, Gesprächsformate, Musikabende und Performances machen das Badeschiff zu einem Festivalzentrum, das nicht nur für Theaterpublikum gedacht ist. Wer Festwochen-Luft schnuppern möchte, ohne gleich einen großen Bühnenabend zu buchen, ist hier richtig.
Jubiläum auch im Museum: Schlingensief und Festwochen-Plakate

Zum 75. Geburtstag wird auch die Festwochen-Geschichte selbst sichtbar. Im MAK – Museum für angewandte Kunst läuft die Ausstellung „Christoph Schlingensief – Es ist nicht mehr mein Problem!“. Schlingensief zählt zu jenen Künstlern, die die Festwochen mit provokativen Arbeiten nachhaltig geprägt haben. Ebenfalls im MAK zu sehen ist „Hype und Hochkultur – 75 Jahre Wiener Festwochen in Plakaten“, eine Schau zur visuellen Geschichte des Festivals.
Damit wird das Jubiläum nicht nur auf der Bühne gefeiert, sondern auch als Stadterinnerung: Plakate, Aktionen, Skandale, große Abende und persönliche Erinnerungen erzählen davon, wie stark die Festwochen in Wien verankert sind.
Für wen lohnen sich die Wiener Festwochen?
Die Wiener Festwochen sind ideal für alle, die Kunst nicht nur konsumieren, sondern erleben wollen. Wer große Namen sucht, findet sie. Wer neue Formate entdecken will, ebenso. Und wer sich auf Debatten, Experimente oder ungewohnte Sichtweisen einlässt, bekommt ein Festival, das manchmal fordert, oft überrascht und im besten Fall lange nachwirkt.
Besonders empfehlenswert ist eine Mischung aus einem großen Bühnenabend, einem kostenlosen Programmpunkt am Badeschiff und einem Besuch im MAK. So bekommt ihr einen guten Eindruck davon, was die Festwochen 2026 ausmacht: Jubiläum, Gegenwart, Stadtgefühl und künstlerische Reibung.
Wiener Festwochen 2026 – die Facts
Datum: 15. Mai bis 21. Juni 2026
Ort: Verschiedene Spielorte in Wien, unter anderem MuseumsQuartier, Heldenplatz, Burgtheater, Volkstheater, Wiener Konzerthaus, MAK und Haus der Republik – Badeschiff
Öffnungszeiten: Je nach Veranstaltung; das Haus der Republik am Badeschiff ist laut Festwochen ab 15. Mai von Mittwoch bis Sonntag ab 16:00 Uhr geöffnet. Die Tageskasse im MuseumsQuartier ist von 4. Mai bis 22. Juni täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet.
Eintritt: Je nach Veranstaltung; zahlreiche Programmpunkte sind bei freiem Eintritt zugänglich. Karten gibt es online, telefonisch, an der Tageskasse sowie an den Abendkassen eine Stunde vor Vorstellungsbeginn.

