Vom winzigen Zwergchamäleon bis zum tonnenschweren Elefanten: Einmal im Jahr wird im Tiergarten Schönbrunn Bilanz gezogen. Auch im Frühjahr 2026 stand die traditionelle Bestandsaufnahme an, um die Entwicklung der tierischen Bewohner genau zu dokumentieren. Dabei geht es um weit mehr als nur das sprichwörtliche Zählen mit dem Klemmbrett.
Hinter den Kulissen: Strategische Planung statt nur Zählen
Die jährliche Inventur dient der Auswertung des sogenannten Institutional Collection Plan (ICP). Dieses Werkzeug hilft dem wissenschaftlich geführten Zoo, seinen Bestand langfristig zu entwickeln. Jede Art wird nach strengen Kriterien bewertet:
- Gefährdungsstatus: Wie steht es um die Art laut der Roten Liste der IUCN?
- Artenschutz: Ist die Tierart Teil eines Erhaltungszuchtprogramms?
- Bildungswert: Fungiert sie als „Flaggschiffart“, um Besucher für ganze Lebensräume zu sensibilisieren?
Die Zahlen der Inventur
Die aktuelle Erfassung zeigt eine beeindruckende Vielfalt. Insgesamt leben 6.239 Tiere aus 502 verschiedenen Arten und Haustierrassen im Tiergarten. Besonders erfreulich sind die Erfolge in der Erhaltungszucht, die oft abseits der Besucherwege stattfindet. So werden etwa die stark gefährdeten Psychedelischen Felsengeckos ausschließlich hinter den Kulissen gezüchtet.
Highlights und Ausblick 2026
Das Jahr 2026 markiert für den Tiergarten eine Zeit des Umbruchs und der Erneuerung:
1. Neustart im Regenwaldhaus
Ein zentrales Projekt ist die grundlegende Sanierung des Regenwaldhauses. Nach 20 Jahren wird es mit einem völlig neuen Konzept wiedereröffnet. Besucher dürfen sich auf eine gigantische Fledermausanlage freuen, in der Blumenfledermäuse im Flug Nektar aus speziellen Tränken aufnehmen. Zudem ist geplant, dort künftig die seltenen Chinesischen Schuppentiere zu zeigen.
2. Besondere Zuchterfolge
Im Artenschutzhaus werden die Bemühungen des Zoos sichtbar. Bei den Vosseler-Zweihornchamäleons und den Nguru-Zwergchamäleons wurde die F2-Generation erreicht. Das bedeutet, dass bereits in Schönbrunn geschlüpfte Tiere selbst wieder erfolgreich für Nachwuchs gesorgt haben – ein Meilenstein für den langfristigen Erhalt dieser Arten.
3. Neue und prominente Bewohner
Neben den bekannten Publikumslieblingen wie dem Großen Panda-Paar bereichern bedrohte Onager (asiatische Wildesel) und Goldtakine den Bestand. Letztere sind in der neuen Anlage für asiatische Gebirgstiere gemeinsam mit den Himalaya-Tahren zu sehen.
„Unser Tierbestand ändert sich immer wieder, etwa wenn Anlagen umgebaut oder neu konzipiert werden. Dabei kommen neue Arten dazu, andere werden abgegeben“, erklärt der zoologische Abteilungsleiter Rupert Kainradl.
Die Inventur 2026 beweist einmal mehr, dass der Tiergarten Schönbrunn nicht nur ein Ort der Erholung ist, sondern eine zentrale Rolle im weltweiten Netzwerk für den Artenschutz spielt.
Das Ergebnis der tierischen Inventur im Detail:
Tiergarten Schönbrunn
Ort: Tiergarten Schönbrunn, 1130 Wien
Öffnungszeiten: Täglich ab 9:00 Uhr; je nach Saison bis 16:30–18:30 Uhr (letzter Einlass 30 Minuten vor Schließzeit)
Eintritt: Tageskarte Tiergarten: Erwachsene 29 €, Kinder/Jugendliche (6–18) 17 €, unter 6 Jahren frei
Anreise: U4 bis Hietzing; Straßenbahn 10/49/52/60; Bus 51A/56A/56B/58A/58B. Mit dem Auto als Navi-Ziel: Seckendorff-Gudent-Weg, 1130 Wien
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