Home KulturKlimt zum Greifen nah: Gerüstbegehung im Burgtheater

Klimt zum Greifen nah: Gerüstbegehung im Burgtheater

von Christine Khom

Ein Jubiläum, eine Renovierung – und plötzlich steht ihr dort, wo sonst nur Restauratoren hinkommen: direkt unter den Deckengemälden über den prunkvollen Feststiegen.

Wenn ein Haus wie die BURG 250 Jahre „Nationaltheater“ feiert, darf es ruhig einmal ein bisschen mehr sein als Sekt in der Pause. In der Spielzeit 2025/26 nutzt das Burgtheater die laufenden Arbeiten im Gebäude für eine Sonderführung, die man nicht so schnell wieder erlebt: eine Gerüstbegehung zu den berühmten Klimt-Deckengemälden.

Und ja, das ist genau so spektakulär, wie es klingt. Denn plötzlich steht ihr in luftiger Höhe und seht Pinselstriche, Übergänge und Details, die von unten schlicht verschwinden.

Zwei Feststiegen, zehn Bilder – und Theatergeschichte an der Decke

Die beiden Feststiegen im Burgtheater sind spiegelbildlich angelegt – und beide tragen einen Bilderzyklus, der Theatergeschichte erzählt: von antiken Kulten bis zu Klassikern der Bühne. Insgesamt sind es zehn eigenständige Deckengemälde, verteilt auf die Volksgarten- und die Landtmannseite.

Volksgartenseite (Feststiege):
Hier seht ihr – vom Eingang aus – „Altar des Dionysos“ und „Thespiskarren“ (beide Gustav Klimt), „Antike Theaterszene“ (Franz Matsch), „Shakespeares Globetheater“ (Gustav Klimt) und „Szene Molières“ (Ernst Klimt).

Landtmannseite (Feststiege):
Dort hängen „Altar des Apollo“ und „Antiker Improvisator“ (beide Franz Matsch), „Theater in Taormina“ (Gustav Klimt), „Mittelalterliche Mysterienbühne“ (Franz Matsch) und „Hanswurst auf der Jahrmarktsbühne“ (Ernst Klimt).

Tipp: Nehmt euch ein paar Sekunden nur fürs „Publikum“ in den Bildern. In diesem Zyklus schauen euch Akteure und Zuschauer immer wieder direkt entgegen – fast so, als würde die Decke selbst zur Bühne werden.


Gustav Klimt, sein Bruder Ernst und Franz Matsch: eine einzigartige Künstler-Verbindung

Dass Gustav Klimt hier nicht allein war, macht die Sache noch interessanter. Gemeinsam mit seinem Bruder Ernst Klimt und Franz Matsch – damals als „Künstler-Compagnie“ unterwegs – bekamen die drei den Auftrag für einen der prestigeträchtigsten Innenräume Wiens. Für die jungen Maler war das der große Durchbruch.

Ein Highlight ist „Theater in Taormina“: ein riesiges Bild, das rund 30 Quadratmeter umfasst – damit eines der größten (und eindrucksvollsten) Deckengemälde, die Klimt hinterlassen hat.

Und dann ist da „Shakespeares Globetheater“: nicht nur wegen der Szene aus „Romeo und Julia“, sondern wegen eines Details, das Kunstfans elektrisiert. Denn Klimt verewigte sich darin selbst – und zwar als Theaterbesucher. Es gilt als das einzige gemalte Selbstporträt von Gustav Klimt.

Warum es das Gerüst überhaupt gibt

So romantisch „einmalige Chance“ klingt: Der Hintergrund ist handfest. Ein Unwetter verursachte im Herbst 2024 einen Wasserschaden, der die Deckengemälde stark in Mitleidenschaft zog. Um die Malereien zu retten, wurden sie restauriert – und das dafür errichtete Gerüst wanderte inzwischen von der Volksgarten- auf die Landtmannseite. Genau dieses Arbeitsgerüst wird jetzt (geführt!) auch fürs Publikum nutzbar gemacht.

Die Klimt-Kartons: der Entwurf in Originalgröße

Bevor Farbe an die Decke kam, brauchte es einen Plan – und zwar einen in Lebensgröße. In der Kunst nennt man solche Vorlagen „Kartons“: großformatige Entwurfszeichnungen, die als 1:1-Schablone für Fresken und Wandmalerei dienen.

Im Burgtheater sind diese Kartons eine kleine Sensation. Sie wurden überraschend im Haus wiederentdeckt und vor dem Verfall gerettet; heute sind sie im Angelika Prokopp Foyer („Klimtraum“) permanent ausgestellt.

Besonders beeindruckend: Die Vorzeichnung zum „Shakespeare Globetheater“ ist rund fünfeinhalb Meter lang – fast vollständig erhalten – und zeigt ebenfalls das berühmte Selbstbildnis im Zuschauerraum.

Tipp: Schaut euch bei den Kartons die Technik vor Augen. Die Linien wurden teils perforiert und später übertragen – ein handwerklicher Prozess, der plötzlich sehr modern wirkt, wenn man so nahe dran ist.

So läuft die Sonderführung ab

Der „Klimt-Rundgang“ verbindet drei Stationen:

  • Volksgartenseite: Blick auf die frisch renovierten Deckengemälde von der Feststiege aus.
  • Angelika Prokopp Foyer: die originalen Klimt-Kartons.
  • Landtmannseite: rauf aufs Gerüst – und die Deckengemälde aus nächster Nähe.

Wichtig: festes Schuhwerk mit rutschfester Sohle ist Pflicht. Taschen und Überbekleidung könnt ihr vor dem Gerüst ablegen. Treffpunkt ist in der Kassenhalle (Eingang gegenüber Rathausplatz) – bitte fünf Minuten früher da sein.

Tickets: Im Ticketshop kann man einen Timeslot für die Gerüstführung buchen. Führungstermine werden immer im Voraus ab 10. des Vormonats veröffentlicht.
Solltet ihr bei der Ticketbuchung Probleme haben (zumindest am Anfang ist diese Führung ziemlich überlaufen), hilft vielleicht folgender Tipp eines Besuchers weiter – natürlich ohne Gewähr.:

  • Im Webshop des Burgtheaters registrieren (oder registriert sein).
  • Um ca. 10 min. vor Beginn des Vorverkaufs (also 10.des Monats um 9:50) einsteigen und versuchen, zu buchen.
  • Dann kommt man in die Warteschlage für den Webshop. Dann wartet man, bis „Einlass“ erfolgt.
  • Termin aussuchen und buchen.
  • Bezahlung mit CC oder Sofortüberweisung, Tickets kommen per E-Mail.

Gerüstbegehung im Burgtheater

Datum: Oktober 2025 bis Juni 2026 (Termine werden monatlich veröffentlicht)
Ort: Burgtheater Wien, Universitätsring 2, 1010 Wien
Öffnungszeiten: je nach Termin; häufig Mo/Do/Fr 16:00 Uhr sowie So/Feiertag 11:00 Uhr (aktuelle Slots im Ticketshop)
Eintritt: Normalpreis € 25; Ermäßigt (u. a. Senioren Ü65, Schüler/Lehrlinge, Studierende U27) € 18
Anreise: Straßenbahn 1/71/D bis „Rathausplatz/Burgtheater“; U3 „Herrengasse“ (Ausgang Minoritenplatz); U2 „Schottentor“ (Ausgang Universität/Universitätsring)

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